Buffalo Soldiers - Army Go Home!

Aus der Vogelperspektive marschieren Soldaten in Reih und Glied über eine gigantische US-Flagge. Die Melodie ihres Gesangs fällt in den monotonen Gleichschritt ihrer Armeestiefel ein. Patriotismus pur?

Keineswegs, denn in den folgenden anderthalb Stunden wird von dieser Perspekive aus auf alles gespuckt, was der Army heilig ist. Statt Disziplin und dem Willen, sein Leben für das Vaterland zu lassen, regieren Drogen das Leben in der Kaserne.

Unglücklicherweise schreibt man das Jahr 1989, kurz vor dem Mauerfall und den letzten Atemzügen des Kalten Kriegs. Die Stationierung der Kadetten in Stuttgart ist genauso sinvoll wie ein Panzer im Vatikan.

Buffalo Soldiers / Army Go Home! - Video, DVD online bestellen Gähnende Langeweile dominiert und wer keine tragende Rolle im kriminellen Netzwerk der Base hat, konsumiert zumindest alles, was ein bisschen Abwechslung verheißt. Ray Elwood (Joaquin Phoenix), nicht nur durch seinen Nachnamen eine Reminiszens an eine Hälfte des lakonischen Blues Brothers Duos, leistet sich durch seine krummen Dinger einen beachtlichen Luxus, fernab von Feldpritsche und Morgenappell.

Doch wer immer nah am Abgrund spielt, fällt irgendwann mal rein. Davor hat auch Elwood Angst. Als Sergant Lee (Scott Glenn) ihm auf die Schliche kommt, hat sein Lotterleben zunächst ein Ende. Zwar hat er sich frisch verliebt und steht kurz vor einem lukrativen Deal mit der türkischen Waffenmafia, aber diese Glücksträhne geht mit dem Gefühl einher, ziemlich bald sterben zu müssen. Denn irgendwer scheint über Leichen zu gehen.

Dennoch ist Buffalo Soldiers, auch unter dem Titel Army Go Home! bekannt, nicht als Kritik am Krieg zu verstehen. Der bisher eher unbekannte Regisseur Gregor Jordan deutet ohne moralischen Zeigefinger auf seine skrupelllosen Soldaten. Er geht an die Wurzel des Übels, der Natur des Menschen auf der Spur, die es uns vielleicht unmöglich macht, in Frieden miteinander zu leben.

Gott sein Dank wirft der Australier diese Fragen im Vorbeigehen auf, ohne zurück zu blicken. Daher verkommt Buffalo Sodiers, der tatsächlich in Deutschland gedreht wurde, nicht zur psychologischen Anthropologie-Vorlesung.

Wer nicht zögert, zu dem bisweilen pechschwarzen Humor Jordans unbequeme Fragen serviert zu bekommen, wird sich mit diesem unkonventionellen Film bestens amüsieren.

Auf der DVD sind neben einigen interessanten Impressionen vom Set kurze, jedoch informative Interviews mit Jordan, Phoenix und den anderen Darstellern, wie der seit X-Men bekannten Anna Paquin enthalten.

Maxi Braun