Erschöpft wird Chuck Nolan an den perlmuttweißen Paradiesstrand gespült, vor ihm breitet sich tropisches Dickicht aus und das bedrohliche Brechen der Wellen ist das einzige Geräusch zwischen dem rettenden Eiland und dem Horizont irgendwo am Rande des endlosen Blaus.
Und erst jetzt, nachdem man das Leben des FedEx-Managers kennengelernt hat und er seinen Flugzeugabsturz mehr oder weniger unbeschadet überstehen konnte, ist man ebenfalls verschollen und die nächsten anderthalb Stunden mit Tom Hanks alleine.
Schnell wird klar, dass der Traum von der Flucht auf eine einsame Insel mehr bedeutet als Sonne, Sand und Sorgenfreiheit. Es lauern schlimmere Gefahren in der Wildnis, als Sand im Po zu haben und während der Workaholic eine Welt gewohnt ist, in der sich 50% aller tödlichen Unfälle im eigenen Haushalt ereignen, regieren dort die Naturgesetze.
Natürlich hat jeder von uns eine Vorstellung davon, wie schwierig es ist, ein Feuer ohne Streichhölzer anzuzünden oder einen Fisch mit bloßen Händen zu fangen. Daher ist Cast Away auch kein Abenteuerfilm im eigentlichen Sinne, sondern ein Schauspielerfilm, der von seinem Darsteller lebt.
Das Abenteuer liegt darin, ihn bei seiner Entwicklung vom vielbeschäftigten Großstädter zum isolierten Insulaner zu begleiten. Man nimmt an seiner wachsenden Einsamkeit teil und sieht, wie die Hoffnung, die ja bekanntlich immer als letztes stirbt, wieder und wieder über die Verzweiflung siegt, die sich drückend wie tropische Gewitterluft über Chuck Nolan legt.
Und diese Palette menschlicher Emotionen muss der Zuschauer allein im Allerweltsgesicht von Tom Hanks lesen. Denn außer der Gespräche mit Wilson, einem Basketball und zugleich einzigem Ansprechpartner, ist Cast Away fast ein moderner Stummfilm. Ein riskantes Vorhaben, welches leicht langweilig und langatmig hätte wirken können, aber letztendlich einmal mehr die Hochkarätigkeit Hanks unterstreicht.
Der paradiesische Spielort mit seiner exotischen Umgebung bildet einen idealen Hintergrund für sein Agieren. Dennoch sind Geschichte und Umgebung austauschbar. Die Attraktion des Films ist die schauspielerische Glanzleistung, vor allen Dingen bei einem vorhersehbaren Ende, welches derart offen gehalten wird, dass sich jeder seiner eigenen Happy End-Illusion hingeben kann. Dennoch ist man gerne mit Chuck Nolan verschollen gewesen, wäre ihm aber ebenso gern auf den Mond oder per Zeitreise in prähistorische Sümpfe vor Entstehung der Menschheit gefolgt, nur um ihn spielen zu sehen.
Maxi Braun
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